grandiose photos von michael pezzei und nicholas venaglia. dazwischen ein paar zeilen, maschinegeschrieben, aus den namenlosen unweiten von tumblr gefischt von einer blinden hand...
musik von sun kil moon. nicht mehr ganz neu. nr. 1, die verlorene reflexion eines verlorenen sohnes. nr. 2, auch auf dem album der zweite song, musik von räuberischer schönheit. für die blauen stunden, durch die ihr da draußen euch hindurchquält. jemand ist in gedanken bei euch...
cassius clay was hated more than sonny liston some like k.k. downing more than glenn tipton some like jim nabors some bobby vinton i like 'em all
i put my feet up on the coffee table i stay up late watching cable i like old movies with clark gable just like my dad does
just like my dad did when he was home staying up late, staying up alone just like my dad did when he was thinking oh, how fast the years fly
i know an old woman ran a donut shop she worked late serving cops then one morning babe, her heart stopped place ain't the same no more
place ain't the same no more not without my friend, eleanor place ain't the same no more man, how things change
i buried my first victim when I was nineteen went through her bedroom and the pockets of her jeans and found her letters that said so many things that really hurt me bad
i never breathed her name again but I like to dream about what could have been i never heard her calls again but I like to dream
sun kil moon - glenn tipton (2003)
sun kil moon - carry me, ohio (2003)
...btw. wer sind die namen in der ersten strophe von 'glenn tipton'? boxer, größtenteils. kk downing und glenn tipton sind die gitarristen der metal-band judas priest. nabors und vinton sind amerikanische tv-entertainer der 60er jahre.
3,1 millionen punkte. in langen tagen mühevoller konzentration setzt miguel endara ein bild seines vaters aus den elementarteilchen digitaler graphik zusammen. jede der falten im gesicht seines vaters, selbst die poren seiner gealterten haut: urvertraute züge.
die geschlossenen augen, der unalltägliche ausdruck - ein spiel zwischen dem grausamen realismus einer totenmaske und dem scherz zwischen zwei menschen, die ein halbes leben miteinander verbracht haben.
das eigene gesicht für seinen sohn auf die scanfläche eines kopierers zu pressen - er muss ein mann mit humor sein, miguels held.
ob ich mir manchmal vorstelle, wie mein vater heute wäre, wie er aussehen würde, fragt meine freundin mich vor einigen monaten. wie er wäre als alter mann, der er nie war.
drängender noch: wer wären wir beide zusammen? worüber wir reden würden, worüber streiten? hätten wir etwas, worüber wir uns gemeinsam freuen würden? die musik? irgendwas?
ich weiß, ich habe mich mehr verändert in diesen wirren jahren als er es in der verdienten ruhe seiner 60er getan hätte. das lässt all diese fragen noch mehr im dunkeln tappen.
jetzt denke ich manchmal daran.
warpaint - set your arms down (2010)
dave brubeck - koto song (1964)
warpaint - lissie's heart murmur (2010)
tom waits - i'm still here (2002)
mal waldron schwelgt in erinnerungen. seine trockenen akkorde deuten die umrisse einer frau an, die einst seine arbeit am piano sehr schätzte und sie jener vieler anderer musiker vorzog. waldron begleitete billie holiday in den späten fünfzigern bis zu ihrem frühen tod 1959. hier bereitet er einer leichtfüßige ballade aus holidays repertoire den weg. der mann am saxophon geht ihm unbeeindruckt voran. den blick nach vorn, bestimmt und eigensinnig. manchmal aber fährt er um, mit gespreizten fingern, erregten augen. ein ausbruch unerwartet und doch nachvollziehbar, wie eine gedankenverlorene geste, während man erzählt. er selbst mag holidays gequältes leben zu klängen schmieden wollen, wenn er sein horn in schreie ausbrechen lässt, ihren zähen überlebenswillen. nur, diese bewegungen verraten genauso gut archie shepps eigene ambitionierte vergangenheit, seine ungestüme energie, seinen wachen zorn. wir können über niemanden sprechen, ohne von uns selbst zu erzählen. kein wort verlässt unseren mund in sauberem weiß. wir färben ab.
und das ist wohl gut so. ein glück jedenfalls, dass die beiden reiferen herren bereit sind, die seiten dieses alten buches zu durchblättern. mit kräftigen farben an den fingern, dicke spuren auf dem papier hinterlassend.
ja, sie haben ja durchaus recht. ziehen sie ruhig die augenbraue ihrer wahl richtung haaransatz. (vorausgesetzt, sie sind dessen mächtig, natürlich.) ich aber sage ihnen, sie werden gleich schmunzeln.
und vor allem: wann hat man unserer generation jemals so liebevoll gesagt, wie zahnlos wir sind, wie sehr uns der biss fehlt?
via 'der digitale flaneur'. fachkraft für deutschen hip hop mit gehalt (und vieles andere).
hochsommer. die wetter ziehen mit verlässlicher gleichgültigkeit über die stadt. die menschen ihrerseits eilen hinterher und passen ihre freizeitbewaffnung dem jeweiligen stand der dinge an. die welt, so scheints, erschwert mit heimlichem vergnügen unsere glücksmaximierung.
diesbezüglich scheitert meine wenigkeit dieser tage noch weit kläglicher. seit einer woche fesselt mich eine sommergrippe an die innenseite meiner zimmerfensterscheibe.
zeit zum zuschauen. und sinnieren.
von oben betrachtet nehmen wir menschen uns noch weit komischer aus.
ein bißchen orientierungslos lässt uns die natur zurück, wann immer sie uns auf unseren platz verweist. für einen moment nämlich fallen wir zurück in unseren urzustand umfassender haltlosigkeit in einer welt ohne bedeutung. in unseren 'natürlichen ort', dem wir uns tagtäglich routiniert entgegenstemmen in all unseren gedanken und gesprächen. das klingt tragischer als beabsichtigt. man lernt schließlich mit allem zu leben.
von unten betrachtet nämlich, solange man mitläuft, sieht die wirklichkeit meist sehr viel sinnvoller aus. und oft gefährlich unspektakulär.
ali farka touré - savane (2006)
radiohead - weird fishes/arpeggi (2007)
john lee hooker - this land is nobody's land (1966)
chris whitley - nature boy (2004)
die verwirrung, von der ali farka touré spricht, ist eigentlich eine andere, auf einer lebensbedrohlicheren ebene angesiedelte. seine suche nach sinn und seine hoffnung eine - vom hunger diktiert - handfestere. aber das zugrundeliegende problem, die unsicherheit darüber was ist, noch vor jener darüber, was sein soll, ist überall dieselbe. in westafrika wie in mitteleuropa.
'i crossed the desert and i was struck by how the savannah and the environment have been destroyed by drought. there’s no green, no grass, no trees. It’s such a shame. but when I travelled to other countries i couldn’t replace the savannah i knew. i had to find a way to express this. what the west sends us is called “the fight against poverty”, though that is a word that should not be used. there is nowhere in the world where there aren’t poor people. but there is a difference because as well as being poor we are trapped in confusion. if we keep killing each other, who will be left to develop and build our future? i am convinced that the answer can be found in work. if you work well it brings you rewards in life.'
i left my country and my louisianna but in other countries, good bye savannah i found the metro isn’t easy work but i am, i am a negro i left a friend and my louisianna but in other countries, good bye savannah instead of giving us bombs give us powered pumps so that at least we can have what we need to live to have a better life, and knowledge and wisdom
die bilder oben stammen von daniel castañeda (2004).
die spiele, die wir spielen, um uns heil durch die wundervollen haigewässer zu tanzen, welche die welt ausmachen. wir nehmen sie nur an menschen wahr, die scheinbar ganz anders sind als wir. aber wir sind alle stets auf der hut, geübt im unscheinbaren präventivangriff, in der niederschwelligen verteidigung, immer messer in den händen. der mensch ist das tier ohne klauen, ohne räubergebiss - er muss seine waffen erlernen. und was man lernt, muss man vergessen, um es blind zu beherrschen.
nur, es gibt momente, da solltest du die klingen einklappen - so oft wie möglich, in wahrheit. aber es ist nicht einfach die messer wegzulegen, wenn du nicht mehr weißt, dass du sie trägst.
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alt-j liefern bilder zu unseren pirouetten durch trübe gewässer und ein gedicht über die veränderung (das symbol des dreiecks), die es einem abverlangt, man selbst zu sein. scheinbar ohne die frage im nacken, wieviel zerstörung der aufbau benötigt, ohne die zweifel, ob die veränderung in die richtige richtung geht.
lege gerade das dünne, gelbe büchlein nieder, das zerknittert und verbogen die letzten wochen im staub meiner jackentasche verbracht hat. hebe den kopf aus dem gemetzel und dem wahnsinn von shakespeares 'richard III'. immer noch dabei, den schlachtenstaub aus meinen jeans zu klopfen...
4. akt, 4. szene - die königswitwe margareta über den neuen könig, richard III., der - für den thron - margaretas sippe nahezu zur gänze ausgerottet hat.
richard nur lebt, der hölle schwarzer spürer, als mäkler aufbewahrt, der seelen kauft und hin sie sendet: aber bald, ja bald erfolgt sein kläglich, unbeklagtes ende. die erde gähnt, die hölle brennt, die teufel brüllen, heil'ge beten, auf daß er schleunig werde weggerafft. vernichte, lieber gott, ich fleh' dich an, den pfandschein seines lebens, daß ich noch dies wort erleben mag: der hund ist tot!
alea (feat. neffa) - ghetto (rmx, 2006)
5. akt, 3. szene - heinrich, herzog von richmond, gegner könig richards III und bei shakespeare rechtmäßiger erbe des thrones, allein im feldherrenzelt vor der entscheidungsschlacht bei bosworth in anrufung (seines) gottes:
o du, für dessen feldherrn ich mich achte, sieh deine scharen an mit gnäd'gem blick! reich' ihrer hand des grimms zermalmend eisen, daß sie mit schwerern falle niederschmettern die trotz'gen helme unsrer widersacher! mach' uns zu dienern deiner züchtigung, auf daß wir preisen dich in deinem sieg! dir anbefehl' ich meine wache seele, eh' ich der augen fenster schließe zu. schlafend und wachend, schirme du mich stets!
jethro tull - hymn 43 (1971)
5. akt, 3. szene - richard ruft seine verbündeten zur schlacht. seltsam: shakespeare spricht richard III. die legitimität ab und doch ist es der infame richard, dem er die stärksten worte in den mund legt, und nicht etwa dem edlen heinrich von richmond. so ähnlich vielleicht wie dante jahrhunderte vor ihm, der auf seiner reise durchs jenseits den schlund der hölle in unendlich prächtigeren farben malt als die orte des heils und der erlösung - fegefeuer und paradies.
nun geht, ihr herrn, auf seinen posten jeder. laßt plauderhafte träum' uns nicht erschrecken; gewissen ist ein wort für feige nur, zum einhalt für den starken erst erdacht: uns ist die wehr gewissen, schwert gesetz. rückt vor! dringt ein! recht in des wirrwarrs völle! wo nicht zum himmel, hand in hand zur hölle!
[...]
horcht! ich höre ihre trommeln. kämpft, englands edle! kämpft, beherzte sassen! zieht, schützen, zieht die pfeile bis zum kopf! spornt eure stolzen ross', und reit't im blut! erschreckt das firmament mit lanzensplittern!
them crooked vultures - reptiles (2009)
...and ain't that nice! nicht dass der weg durch herrn shakespeares genealogisches gestrüpp auch nur um ein glühwürmchen lichter würde, aber schauen solche schaubilder mit ihrem versprechen von ordnung und einsicht nicht einfach toll aus?